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Deichrückverlegung „Vitico“ zwischen Bleckede und Radegast

Hochwasserschutz und Naturschutz an der Elbe

Die geplante Deichrückverlegung im Bereich der „Vitico“ zwischen Bleckede und Radegast gehört zu den Hochwasserschutzprojekten an der unteren Mittelelbe. Ziel der Maßnahme ist es, der Elbe bei Hochwasser wieder mehr Raum zu geben und gleichzeitig wertvolle Auenlandschaften zu entwickeln.

Das Projekt ist Teil des Nationalen Hochwasserschutzprogramms und wird vom Land Niedersachsen gemeinsam mit den übrigen Elbanrainer-Bundesländern vorangetrieben.

Warum eine Deichrückverlegung notwendig ist

In den vergangenen Jahrhunderten wurde die Elbe immer stärker reguliert: Deiche wurden näher an den Fluss gebaut, Überschwemmungsflächen gingen verloren und Engstellen entstanden.

Heute führt das dazu, dass Hochwasser schneller und höher ansteigen und der Druck auf die Deiche somit zunimmt.

Gerade im Bereich zwischen Bleckede und Radegast besteht eine hydraulische Engstelle. Die geplante Deichrückverlegung soll hier Abhilfe schaffen und den Abfluss der Wassermassen verbessern.

Was konkret geplant ist

Im Bereich der Vitico soll der bestehende Elbdeich auf einer Länge von rund 4 Kilometern weiter ins Hinterland verlegt werden.

Dadurch entstehen neue Überflutungsflächen:

  • mehr als 114 Hektar zusätzlicher Retentionsraum
  • Wiederanbindung der Elbauen an den Fluss
  • Entlastung der Deiche bei Hochwasser

Durch diese Maßnahme können Hochwasserwellen gedämpft und Wasserstände entlang der Elbe abgesenkt werden.

Vorteile für die Region

Die Deichrückverlegung verbindet Hochwasserschutz mit Naturschutz:

Hochwasserschutz

  • Entlastung der Deiche stromabwärts
  • bessere Verteilung der Wassermassen
  • Anpassung an zunehmende, durch den Klimawandel verursachte Extremwetterlagen

Naturschutz

  • Wiederherstellung von Auenlandschaften
  • Stärkung des Biosphärenreservats Elbtalaue
  • Wiederherstellung natürlicher Überflutungsflächen

Damit ist die Maßnahme ein Beispiel für modernen, nachhaltigen Umwelt – und Hochwasserschutz.

Begleitung und Diskussion vor Ort

Wie bei anderen großen Infrastrukturprojekten gab und gibt es auch kritische Stimmen aus der Region.

Fragen und Sorgen betreffen unter anderem:

  • Auswirkungen auf die Landwirtschaft
  • mögliche Veränderungen der Hochwassersituation in und um Radegast
  • Flächenankauf und Flurbereinigung

Die durchgeführten Studien kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass für die Ortslage Radegast keine unmittelbaren negativen Auswirkungen zu erwarten sind.

Zur Begleitung des Projekts wurde ein regionaler Begleitausschuss eingerichtet.

Grobe Kostenschätzung

Für die Deichrückverlegung im Bereich Vitico liegen verschiedene Kostenschätzungen aus unterschiedlichen Planungsphasen vor:

  • Frühere Machbarkeitsstudien: ca. 13,9 Mio. Euro (inkl. Grunderwerb und Planung)
  • Aktuelle politische Einschätzungen (Stand 2025): Projekt befindet sich bereits in fortgeschrittener Planung, Flächen sind weitgehend gesichert

👉 Realistisch ist daher aktuell ( Stand 2026) eine Gesamtinvestition im Bereich von rund 15–20 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Niedersachsen investiert insgesamt mehrere hundert Millionen Euro in den Hochwasserschutz an der Elbe.

Warum wir eine Deichrückverlegung in der Vitico kritisch sehen

In der Vitico befinden sich große Mengen an Totholz. Sollte das Gebiet nach einer Ausdeichung regelmäßig überflutet werden, kann sich daraus ein erhebliches Sicherheitsrisiko für den bestehenden Deich ergeben.

Gleichzeitig handelt es sich bei der Vitico um eines der am strengsten geschützten Naturschutzgebiete unserer Region. Aufgrund der dort brütenden Seeadler ist das Waldgebiet regelmäßig rund die Hälfte des Jahres nicht zugänglich. Vor diesem Hintergrund wirkt es widersprüchlich, wenn umfangreiche Baumfällungen sowie eine lange und lärmintensive Bauphase angeblich keine Störung darstellen sollen. Dieses Problem betrifft selbstverständlich nicht nur die Seeadler, sondern auch zahlreiche weitere Vogel- und Tierarten, für die die Vitico ein wichtiger Lebensraum und Rückzugsort ist.

Für die Landwirtschaft hätte die Ausdeichung ebenfalls weitreichende Folgen: Die Ackerflächen wären als solche verloren und könnten künftig nur noch begrünt und gepflegt werden. Aufgrund der hohen Feuchtigkeit und der lehmigen Bodenbeschaffenheit wäre dabei mit großem Aufwand, aber kaum wirtschaftlichem Nutzen zu rechnen. Entsprechende Ausgleichsflächen vor Ort stehen nicht zur Verfügung.

Hinzu kommt, dass sich der Druck auf die Bruchwetter,unseren Hauptentwässerungsgraben, deutlich erhöhen würde. Bereits bei vergangenen Hochwassern stieß die Aufnahme- und Weiterleitungskapazität hier an ihre Grenzen. Eine größere Überflutungsfläche würde diese Situation weiter verschärfen.

Ein zusätzlicher, kritischer Punkt betrifft die geplante Linienführung des neuen Deiches: Genau dort, wo der neue Deich beginnen und weitergeführt werden soll, steht bereits jetzt nach vergleichsweise kurzen Regenereignissen Wasser. Das bedeutet, dass zumindest der erste Abschnitt des neuen Deiches auf sehr nassem Untergrund errichtet werden müsste – eine aus unserer Sicht ungünstige Voraussetzung für die langfristige Stabilität und Standfestigkeit des Bauwerks.

Zu bdedenken ist außerdem, dass Studien zeigen, wie eine regelmäßige Entsandung der Elbe sowie ein konsequenter Rückschnitt der unkontrollierten Verbuschung im Elbvorland nahezu den gleichen Effekt in Bezug des Pegels erzielen könnte wie eine Deichrückverlegung. Diese Maßnahmen wurden früher kontinuierlich durchgeführt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich jedoch der politische Schwerpunkt zunehmend zugunsten des Naturschutzes verschoben, während der eigentliche Hochwasserschutz aus Sicht der Kritiker immer mehr an Bedeutung verloren hat.

Die Investitionssumme von voraussichtlich 15-20 Millionen Euro steht in keinem Verhältnis zu der zu erwartenden Pegelsenkung im günstigsten Fall von bis zu neun Zentimetern. Es ist schwer nachvollziehbar, warum Deichrückverlegungen erheblich stärker aus Bundesmitteln gefördert werden als das bei Erhöhnungen bestehender Deiche der Fall ist.

Das zentrale Problem – die Engstelle an der „Radegaster Nase“ – bleibt zudem bestehen. Durch die vergrößerte Überflutungsfläche würde dort sogar noch mehr Wasser zusammenlaufen. Aus unserer Sicht ist das ein klarer Widerspruch.

Wir sprechen uns ganz klar für die sogenannte Nullvariante aus= den vorhandenen Deich zu erhöhen. Zusätzlich sollte unbedingt wieder eine regelmäßige Entsandung der Elbe und ein massiver Rückschnitt (mit nachfolgender regelmäßiger Pflege) der Verbuschungen/Gehölze im Elbvorland durchgeführt werden.

Neue und alte Deichlinienführung DRV Vitico
Neue Deichführungslinielinie (rot) und alte Deichführungslinie (grau).
Das Bild wurde freundlicherweise vom Artlenburger Deichverband zur Verfügung gestellt.