Parallel zur Frage nach der Brücke wurde der Bundesverkehrswegeplan mehrfach angepasst. Sahen die ursprünglichen Planungen von Anfang/Mitte der 1990er Jahre noch einen Ausbau der B 321 von Prizier bei Hagenow über Darchau (Elbbrücke) nach Dahlenburg vor, so wurden die Planungen ein paar Jahre später abgestuft zu einer Landesstraße (mit der Folge, dass die Baulast vom Bund auf das Land Niedersachsen fiel) und von der Verbindung im Zuge einer Bundesstraße war keine Rede mehr. Noch ein paar Jahre später erfolgte dann die Herunterstufung zu einer Kreisstraße (mit der Folge, dass die Baulast nun an den Landkreis fiel). Ein insgesamt durchschaubares Vorgehen, das letztlich primär eine Lastenverteilung nach unten bewirkt hat. Warum? Vorrangig wohl deshalb, weil die (überregionale) Priorität schon längere Zeit nicht mehr gesehen wurde und der (gesamt-) wirtschaftliche Nutzen dieser festen Elbquerung ganz nüchtern zu hinterfragen ist.
Für den Landkreis Lüneburg entspricht dieses Projekt bei der bekannten Finanzlage einem Drahtseilakt, der sich zu keiner Zeit realistisch hat abbilden lassen. Von Anbeginn erschien die Sache mindestens eine Nummer zu groß für den Landkreis Lüneburg. Natürlich besteht andererseits ein gewisser Druck, das Versprechen endlich umzusetzen – insbesondere auch beim Landrat, für den die Brücke 2019 ein zentrales Wahlkampfthema war.
Wenn man ehrlich ist muss man erkennen, dass dieses Projekt unter anderem durch Kostensteigerungen und die Entwicklung der Kreisfinanzen über die Jahre immer weiter in die Ferne gerückt ist. Unvorstellbar, wieviel Gelder inzwischen alleine in den Planungskosten versenkt wurden – der einst per Bürgerbefragung gesetzte Deckel von 10.000.000 € erscheint jedenfalls lange nicht mehr ansatzweise realistisch.
Welcher Nutzen könnte sich aus einer Brücke ergeben? Dazu ist das Amt Neuhaus mit seinen heute weniger als 5.000 Einwohnern in drei Teilbereiche aufzuteilen:
- Das Oberamt Neuhaus, das näher an Dannenberg, Dömitz, und der Dömitzer Brücke als an Darchau liegt.
- Das Mittelamt Neuhaus mit dem Kernort Neuhaus und einigen umliegenden Orten.
- Das am dünnsten besiedelte Unteramt Neuhaus, das näher an Boizenburg, Lauenburg und der dortigen Brücke liegt.
Am Ende dürfte eine Brücke bei Darchau/Neu Darchau in erster Linie für die etwa 2.500 bis 3.000 Einwohner im Mittelamt Neuhaus interessant sein, also im Kernort Neuhaus und unmittelbar umzu. Ist es gerechfertigt, für vielleicht maximal 3.000 Menschen eine Brücke mit Baukosten in Höhe von mehr als 100.000.000 € in die Landschaft zu setzen? Unter Abwägung aller Argumente ist das unserer Auffassung nach heute (2026) nicht mehr zu verantworten. Weiter zu berücksichtigen ist zudem, dass neben den Baukosten in der Folgezeit nicht unerhebliche Unterhaltungskosten für eine Brücke anfallen würden, die den Etat des Landkreises Lüneburg weiter belasten würden.
Des Weiteren sind aucg wirtschaftliche Auswirkungen auf die Elbfähre Bleckede zu befürchten. Diese notwendige innerstädtische Verbindungsader wird die Stadt Bleckede nicht alleine unterhalten können. Insoweit dürfeten die Folgen eines Brückenbaus nicht vollends an Bleckede vorbei ziehen.
Bezweifelt werden darf der Nutzen einer Brücke darüber hinaus auch für die Bürger der Stadt Bleckede in den Ortschaften Neu Bleckede und Neu Wendischthun. Es ergibt sich hier kein messbarer Wegstreckenvorteil gegenüber einer Nutzung der bestehenden Lauenburger Elbbrücke, um im Falle eines Fährausfalls von Neu Bleckede bzw. Neu Wendischthun über die Elbe nach Bleckede zu gelangen. Im übrigen soll sich die Ausfallsituation mit der neuen Fähre durch konstruktionelle Maßnahmen an dieser deutlich entspannen.
Der Nutzen einer Brücke für einzelne Personengruppen ( Schüler, Berufspendler), nicht aber für die breite Allgemeinheit ist unumstritten gegeben.
So nachvollziehbar die Situation für die Betroffenen auch ist – eine Rechtfertigung für den Einsatz dieser immensen Geldsummen für eine Brücke erkennt die UWB angesichts der bereits hohen Verschuldung des Landkreises darin nicht.

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